Zielfernrohr optisch ausrichten und montieren – einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung
Immer häufiger erreichen mich Fragen zur Zielfernrohrmontage:
- „Ich habe das Zielfernrohr montiert und bekomme es nicht eingestellt."
- „Es schießt nicht dorthin, wo es soll, und ich kann nicht weiter drehen."
- „Wie richte ich es auf die optische Achse aus?"
Und die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Das Problem hat viele Ursachen. In den meisten Fällen ist die verwendete Montage keine optimale Wahl – und wenn der Schütze an seine Grenzen stößt, kommen Eigenkonstruktionen ins Spiel. Das wäre kein Problem, wenn die Versuche etwas planvoller wären.
Also fangen wir von vorne an. Es wird lang – aber das ist nun mal so.
Womit beginne ich bei der Zielfernrohrmontage?
Bevor du ein Zielfernrohr montierst, lohnt es sich, es zunächst auf die optische Achse auszurichten. Ich weiß, das kommt selten vor – die meisten investieren diese Zeit nicht.
Das Problem: Du montierst es, und es schießt weit daneben. Du drehst kräftig und es schlägt an. Das tut keinem Zielfernrohr gut. Je nach Typ und Qualität kann das sogar zu Schäden führen. Vermeidet das also wenn möglich – und der beste Weg dazu ist, das Zielfernrohr vor der Montage (zumindest grob) auf die optische Achse auszurichten. So weißt du zumindest, dass du in alle Richtungen noch Spielraum hast.
Was ist die optische Achse?
Vereinfacht gesagt: Im Inneren des Außentubus des Zielfernrohrs, unterhalb der Türme, befindet sich ein Innentubus. Dieser enthält das Absehen. Wenn du einen Turm verstellst (klickst), bewegst du diesen Innentubus. Sein Verstellweg ist jedoch begrenzt – auf einer Seite hält ihn eine Feder, auf der anderen die Schrauben der Türme.
Diese beiden Tuben müssen auf einer Achse liegen – der Innentubus muss also genau in der Mitte des Außentubus sitzen. Zumindest sollte er das.
Werkseitig sind die meisten Zielfernrohre nicht ausgerichtet. Manche sind sogar vollständig verdreht. Also auch bei einem neuen Zielfernrohr: das immer zuerst prüfen.
Zielfernrohr montieren – Video
Falls das Video nicht lädt, findest du es hier – Zielfernrohr auf ein Luftgewehr montieren.
Im Video ist ein T-Eagle ER 6-24x50SFIR oder T-Eagle ER 4-16x44SFIR zu sehen – eine der besten Optionen für präzises Schießen auf größere Distanzen und unschlagbar im Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wie prüfe ich, ob das Zielfernrohr auf die optische Achse ausgerichtet ist?
Viel einfacher als gedacht. Bei sehr hochwertigen Zielfernrohren gibt es aufwändigere Verfahren, aber darum geht es hier nicht.
- Nimm einen kleinen Spiegel (oder stell dich vor den Badezimmerspiegel) und lege die Frontlinse des Zielfernrohrs darauf. Alternativ: Spiegel flach auf den Tisch legen, Zielfernrohr mit der Frontlinse nach unten daraufstellen.
- Parallaxe auf Unendlich stellen.
- Von oben hineinschauen. Es fällt wenig Licht hinein, aber das Absehen ist trotzdem sichtbar – und sehr wahrscheinlich auch sein leicht versetztes Spiegelbild. Bei beleuchtetem Absehen: Beleuchtung auf die niedrigste Stufe einschalten.
- Den oberen (Höhen-)Turm so lange drehen, bis die horizontale Absehenlinie mit ihrem Spiegelbild zur Deckung kommt.
- Den seitlichen (Seiten-)Turm so lange drehen, bis die vertikale Absehenlinie mit ihrem Spiegelbild zur Deckung kommt.
Das Zielfernrohr ist jetzt grob auf die optische Achse ausgerichtet. Das reicht für die Praxis vollkommen aus – beim Einschießen wird ohnehin etwas nachjustiert.
Jetzt empfiehlt es sich, die Türme zu nullen – also die Skalierungen auf null zu stellen. Nicht die Türme selbst zurückdrehen, sondern die nummerierten Ringe auf null ausrichten. Dazu in der Regel die Turmkappe aufschrauben, abnehmen und so wieder aufsetzen, dass die Nullmarkierung mit der Turmreferenz übereinstimmt. Schaut in die Bedienungsanleitung des Zielfernrohrs oder in meine Videoanleitungen für Discovery-Zielfernrohre. Bei anderen Marken: beim Händler nachfragen.
Das Zielfernrohr montieren
Jetzt kommt die eigentliche Montage. Ich beschreibe die präziseste Methode, die unter normalen Heimverhältnissen möglich ist.
- Die oberen Ringhälften der Montage abnehmen und beiseitelegen.
- Die Unterteile der Montage (bei zweiteiliger Montage: beide Teile) auf der Prismenschiene befestigen. Bei zweiteiliger Montage darauf achten, dass die Klemmschrauben in dieselbe Richtung zeigen. Noch nicht festziehen – Justierung folgt.
- Die Waffe auf einem Ständer oder einer anderen Halterung befestigen, so dass man durch das Zielfernrohr schauen kann.
- Das Zielfernrohr in die Unterteile einlegen – der Turm sollte möglichst zwischen den beiden Ringen liegen.
- Durch das Zielfernrohr schauen, wie beim Schießen: Wange an den Schaft. Okular so einstellen, dass das Absehen scharf ist (Zielschärfe ist hier noch unwichtig). Das Absehen muss scharf sein – mit oder ohne Brille.
- Bei scharfem Absehen: Augenabstand prüfen. Das Bild muss vollständig und mit scharfen Rändern zu sehen sein. Ggf. Parallaxe auf das Ziel scharfstellen. Wenn der Augenabstand nicht stimmt, das Zielfernrohr vor- oder zurückschieben. Wichtig: Das Zielfernrohr an die Kopfhaltung anpassen – nicht den Kopf unbequem verschieben. Bei Bedarf auch die Montageposition anpassen – deshalb noch nicht festgezogen.
- Wenn Augenabstand und Haltung stimmen, die Unterteile festziehen. Das Rohr mit einem kleinen Stück Klebeband direkt neben dem Ring markieren – so lässt es sich später leicht wieder positionieren.
- Zielfernrohr herausnehmen, eine Wasserwaage quer über die Unterteile legen (oder nach Augenmaß). Wenn die Waffe lotrecht steht, Zielfernrohr wieder einlegen und dabei auf die Klebemarkierung achten.
- Vor der Frontlinse (dort, wo das Bild scharf ist) ein Lot hängen – ein Schlüsselbund an einer Schnur reicht.
- Die oberen Ringhälften vorsichtig auflegen, aber noch nicht festziehen.
- Durch das Zielfernrohr schauen und das Rohr so drehen, bis die vertikale Absehenlinie mit der Lotschnur übereinstimmt. Geduldsspiel, aber wichtig.
- Wenn das Lot stimmt, die Ringschrauben gleichmäßig und abwechselnd anziehen, damit das Rohr nicht verdreht wird.
Einschießen
Bei Großkaliberwaffen empfiehlt sich ein Bore-Sighter. Der Bushnell Universal Bore-Sighter ist eine gute Wahl – aber ohne Illusionen: Er spart nur die ersten paar Schuss und hilft dabei, dass die ersten Treffer überhaupt die Scheibe treffen. Wer keine Erfahrung hat, sollte das Einschießen lieber einem Fachmann überlassen – das spart viel Frust.
Bei Luftgewehren geht nichts über das Schießen selbst. Ziel: ein großes Ziel auf 10 Meter – z. B. ein Pizzakarton mit einem großen Kreuz. Waffe gut aufgelegt oder auf einem Einschießständer. Menschliche Fehler so weit wie möglich ausschließen, aber Anschlag und Augenabstand sollten dem späteren Schießen entsprechen. Bei rückstoßstarken Waffen: kein Schraubstock – auf eigene Gefahr.
Zwei Möglichkeiten:
- Liegt der Einschlag nahe am Zielpunkt (unter einem halben Mil-Dot), nochmals schießen. Loch auf Loch (bei 10 m mit gutem Auflager fast Pflicht) – alles in Ordnung. Ziel auf Einschussdistanz aufstellen, schießen, per Klick einstellen, fertig.
- Geht der Schuss weit daneben, aber nahe der Senkrechten (nur sehr hoch oder tief), kein großes Problem. Bei verstellbarer Montage: vor- oder zurückneigen. Sonst: Unterlagen verwenden.
Unterlegen (Shimming)
Schüsse zu tief: Eine dünne Unterlage (Filmstreifen, PET-Flaschenstreifen, Getränkedosenstreifen) unter das Rohr im hinteren Ring legen. Schüsse zu hoch: Unterlage in den vorderen Ring. (Letzteres ist selten – falls doch, liegt wahrscheinlich ein anderes Problem vor; ggf. vordere und hintere Montage tauschen.)
Solange unterlegen, bis der Einschlagpunkt dem Zielpunkt nahekommt, dann per Klick feinjustieren.
Wenn die Schüsse seitlich abweichen
Mehrere Mil-Dot seitliche Abweichung ist ein komplexeres Problem – von schlechter Montage bis zu Montagefehlern kann vieles die Ursache sein. Zuerst prüfen: Hat sich etwas zwischen die Klemmprismen und die Schiene geklemmt?
Auch ein Nah- und ein Fernschuss helfen herauszufinden, ob das Zielfernrohr verdreht ist (siehe Überprüfung). Seitliche Abweichung bei sonst korrekter Montage deutet fast immer auf ein Montage- oder Schienenproblem hin – z. B. eine nachträglich gefräste, unpräzise Schiene.
Überprüfung
Ziele näher und weiter als die Einschussdistanz aufstellen. Beide beschießen. Liegen die Treffer übereinander und ohne seitliche Abweichung, ist die Montage und Einschießung in Ordnung.
Zieht ein Treffer nach rechts und ein anderer nach links, steht das Zielfernrohr wahrscheinlich schief.
Korrektur eines schiefen Zielfernrohrs:
- Prüfen, ob die Klemmschraube der Montage richtig angezogen ist; Ringmontage mit Schraube nach hinten setzen.
- Prüfen, ob die unteren Klemmprismen auf derselben Seite liegen.
- Montagepunkte sorgfältig auf Schmutz zwischen Schiene und Prisma prüfen.
- Prüfen, ob eine Unterlage im Ring seitlich verrutscht ist und das Zielfernrohr verschoben hat.
Falls trotz allem das Zielfernrohr schief steht, kann man mit einem sehr dünnen Getränkedosenstreifen zwischen dem festseitigen Prisma und der Schiene korrigieren. Penible Arbeit – immer nur unter das festseitige Prisma unterlegen, nie auf der anderen Seite. Bei zweiteiligen Montagen relevant; bei einteiligen lieber die Montage ersetzen.
Dieser Fall ist selten – so selten, dass fast sicher ein Montagefehler vorliegt. Deshalb: immer zuerst die gesamte Montage überprüfen und vordere sowie hintere Ringe tauschen.
Wenn ihr alle obigen Schritte durchgeführt habt und alles in Ordnung ist, habt ihr eine eingeschossene Waffe. Viel Spaß und präzise Treffer!
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